Gruppenbild mit Patientin mit Diagnose Long-QT-Syndrom

Wenn die Geburt das Herz aus dem Takt bringt

Nach der Geburt ihrer Tochter überlebt eine Mutter 2 Herzstillstände und erhält die seltene Diagnose Long-QT-Syndrom. Die Klinik Donaustadt rettet ihr das Leben und begleitet sie zurück in den Alltag.

Es ist für viele Frauen ein einschneidendes Erlebnis: die Geburt des eigenen Kindes. Für Judith N. besonders, denn sie bekommt wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter starke Schmerzen im Unterleib. Der Grund dafür: innere Blutungen, ausgelöst durch einen Riss im Eileiter. In der Klinik Donaustadt rettet eine Not-OP ihr Leben. Als die Patientin wieder auf eine Normalstation verlegt wird, warten jede Menge Herausforderungen auf sie, unter anderem ein wenige Tage altes Baby. „Ich hatte eine sehr große Bauchnarbe und konnte nicht mehr aufstehen, um beispielsweise mein Baby zu wickeln. Ich war in einem emotionalen Ausnahmezustand, weil ich fast gestorben wäre“, schildert Judith N.

Besondere Situationen erfordern besondere Lösungen

„Wir haben daher die Mutter von Judith N. als Begleitperson aufgenommen, die ihr Enkelkind in dieser Zeit im Beisein der Mutter versorgen konnte“, sagt Beda Hartmann, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Klinik Donaustadt. 10 Tage danach steht die Entlassung bevor. Doch in der Nacht davor erleidet Judith N. einen Herzstillstand und muss reanimiert werden. Die Patientin kommt wieder auf eine Intensivstation. Dort hört ihr Herz ein zweites Mal zu schlagen auf. Zum Glück kann sie erneut wiederbelebt werden.

Seltene Herzerkrankung: Long-QT-Syndrom

Nach dem zweifachen Herzstillstand stellt sich heraus, dass Judith N. am Long-QT-Syndrom leidet. Eine seltene angeborene Herzerkrankung. „Zwischen zwei Herzschlägen gibt es eine kurze Phase der elektrischen Erholung für das Herz – das QT-Intervall. In dieser Zeit ist das Herz anfällig für Rhythmusstörungen. Beim Long-QT-Syndrom dauert diese Phase zu lange, daher kann der Herzschlag aus dem Takt kommen“, erklärt der Facharzt für Kardiologie der Klinik Donaustadt Georg Strasser. „Die Erkrankung bleibt oft lange unbemerkt. Besondere Situationen, wie eine Geburt, verbunden mit körperlichem und emotionalem Stress und einer hormonellen Umstellung, können beim angeborenen Long-QT-Syndrom gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen“, sagt Georg Strasser.

Enge Zusammenarbeit zwischen Gynäkologie & Geburtshilfe, Kardiologie und Intensivmedizin

Die angeborene Form des Long-QT-Syndrom betrifft etwa 1 von 2.000 Personen – Frauen entwickeln dabei häufiger Symptome als Männer. Der Kardiologe der Klinik Donaustadt ist auf Herzrhythmusstörungen spezialisiert. Er erinnert sich zurück: „Die Fachbereiche Gynäkologie und Geburtshilfe, Kardiologie und Intensivmedizin haben hier eng zusammengearbeitet. Es ging um Fragen wie: Welche Medikamente geben wir der Patientin, damit sie weiterhin stillen kann? Ist das Baby auch vom Long-QT-Syndrom betroffen?“

Reisen und Sport dank implantiertem Defibrillator

Die Patientin bekommt neben einer medikamentösen Therapie einen Defibrillator eingesetzt. Sollte es wieder zu einer gefährlichen Herzrhythmusstörung kommen, gibt der implantierte Defibrillator sofort einen Stromstoß ab. Durch das Telemonitoring ist dieser mit der Klinik verbunden. Das Team der Kardiologie wird also sofort informiert, wenn das Herz von Judith N. wieder aus dem Takt gerät. 9 Monate später sind Mutter und Kind wohlauf. Judith N. kann reisen und Sport treiben. Einmal im Jahr kommt sie zur Kontrolle in die Kardiologische Ambulanz der Klinik Donaustadt. „Es war eine enorm belastende Zeit, trotzdem blicke ich mit großer Dankbarkeit auf die Klinik Donaustadt zurück – mir wurde mehrmals das Leben gerettet. Die Teams der verschiedenen Abteilungen haben mir alles genau erklärt und waren dabei sehr geduldig und einfühlsam“, sagt Judith N.